Die Bemühungen um die dreidimensionale Bildwirkung im Kino gehen bereits auf die Anfänge des Films in der Stummfilmzeit zurück. Doch einen Boom erlebte diese Filmtechnik in den 50er Jahren, als in den USA das Fernsehen eingeführt wurde und die großen Filmfirmen starke Zuschauereinbußen erleben mussten. Um die zum Fernsehen abgewanderten Zuschauer zurückzugewinnen, besann man sich auf die Effekte des dreidimensionalen Films, der dem Zuschauern das bieten sollte, was es im Fernsehen nicht zu erleben gab: Die dritte Dimension!
Bei der Aufführung unserer Kopie von STARCHASER (dem einzigen abendfüllenden 3D-Zeichentrickfilm) beim Trickfilmfestival Annecy
Während mit dem Rot-Grün-Verfahren lediglich Schwarz-Weiß-Filme realisiert werden konnten, ist für den Farbfilm eine andere und auch wirkungsvollere Technik entwickelt worden: das Polarisationsverfahren. Hier werden durch zwei nebeneinander angebrachte Objektive gleichzeitig zwei im Aufnahmewinkel versetzte Bilder aufgenommen. Bei der Vorführung werden die neben- oder übereinander auf dem Filmmaterial liegenden stereoskopischen Bilder mit der entsprechenden Abweichung übereinandergelagert projiziert. Für den Zuschauer entsteht bei der Verwendung von entsprechenden Polarisationsbrillen und einer Projektion auf einer speziellen Silberleinwand ein dreidimensionaler Effekt.
Der Aufwand sowohl bei der Produktion als auch bei der Aufführung im Kino war immens: 3D-Kameras waren zum Beispiel sehr groß und weit weniger beweglich als normale Geräte, da sie alle wesentlichen Bauteile doppelt benötigten. - Im Kino werden spezielle Objektive, Polarisationsbrillen für die Zuschauer, eine Silberleinwand und besonders lichtstarke Projektoren erforderlich. Die gesamte Anlage muß für jede Aufführung (!) neu eingemessen und justiert werden. Aus diesen Gründen hat sich der dreidimensionale Film nicht als massenkompatibler Standard durchsetzen können. Ursprünglich wurden 3D-Filme auf zwei getrennten Rollen pro Akt geliefert. Eine für das rechte und eine für das linke Auge. Diese wurden dann mit zwei Projektoren gleichzeitig projiziert. Kam dabei ein Projektor aus dem Schritt, lief etwas schneller oder langsamer als der andere, gab's beim Zuschauer schnell gewaltige Kopfschmerzen. Deshalb ging man dazu über, die Projektoren über eine Welle miteinander zu synchronisieren. - Aber auch dieses Verfahren hatte einen großen Nachteil: Die Projektoren liefen zwar synchron, aber sie erforderten zwei exakt aufeinander abgestimmte Kopien. Riß ein Film bei der Projektion oder der Vorbereitung und gingen dadurch Bilder verloren, so mußten diese Bilder ebenfalls in der Rolle für das andere Auge entfernt werden oder die zerstörten Bilder mussten durch Schwarzfilm ersetzt werden, damit die Versionen fürs rechte und linke Auge wieder synchron liefen. Das wurde aber nur selten mit der erforderlichen Akribie verfolgt und so wurden ältere Kopien schnell unbrauchbar.
Besserung trat erst ein, als man dazu überging, die Bilder für das rechte und das linke Auge auf einem Filmstreifen unterzubringen. Dabei teilen sich die beiden Aufnahmen die Fläche eines normalen 35 mm-Bildes. Sie liegen entweder übereinander oder horizontal gestaucht nebeneinander. Man spricht vom Bild-über-Bild- bzw. Bild-neben-Bild Verfahren. Das Objektiv des Projektors wird dabei so justiert, daß sich die Bilder auf der Leinwand überlagern, sich also die Bildränder decken.
Betrachtet man dies ohne 3D-Brille sieht man nur einen unscharfen Brei: Die Informationen für das rechte und das linke Auge werden dann nämlich von beiden Augen gleichzeitig wahrgenommen. Damit der linke Kanal auch nur zum linken Auge und der rechte zum rechten Sehorgan gelangt werden die beiden Bilder im Objektiv durch jeweils einen Polarisationsfilter geschickt. Dieser 'Polfilter' läßt nur eine Schwingungsrichtung des Lichtes durch und blockt die anderen ab. Die beiden Bildkanäle werden nun im Objektiv unterschiedlich gefiltert: Zum Beispiel wird das Licht des linken Kanals senkrecht polarisiert und das für den rechten Kanal waagerecht. Trägt der Zuschauer nun eine Brille, die vor dem linken Auge einen senkrecht und vor dem rechten einen waagerecht ausgerichteten Polfilter enthält, erhält jedes Auge nur die Bildinformation des entsprechenden Bildkanals. Das Licht für das rechte Auge schwingt für das linke Brillenglas in die falsche Richtung und wird deshalb geblockt (und umgekehrt beim linken Kanal).
Damit nicht genug: In fast allen Kinos kommen Kunststoffleinwände zum Einsatz. Sie sind billig, lassen sich leicht transportieren, da man sie zum Beispiel rollen kann. - Leider sind diese Leinwände für die 3D-Projektion ungeeignet, da Licht, das von Kunststoff reflektiert wird, nicht mehr polarisiert ist. Es schwingt wieder in alle Richtungen mit der Folge, daß beim Zuschauer der gleiche Effekt entsteht als trage er keine 3D-Brille, nur dunkler ist es durch die Brille geworden, aber er nähme ansonsten den gleichen Bilderbrei wahr wie ohne Brille. - Glücklicherweise bleibt bei der Reflektion von Metall aber die Polarisierung des Lichtes erhalten. In einem 3D-Kino muß das Licht also von Metall und nicht von Kunststoff reflektieren. Daher sind 3D-taugliche Leinwände wie die der Bonner Kinemathek silberbeschichtet. So bleibt das Kino in 3-D ein selten zur Aufführung gebrachtes aber immer reizvolles Stück Film- und Kinogeschichte.