DAS SCHICKSAL DERER
VON HABSBURG - Deutschland 1928
Regie: Rolf Raffé - Drehbuch: Max Ferner - Kamera: Marius Holdt - Darsteller: Fritz Spira, Erna Morena, Leni Riefenstahl, Maly Delschaft, Franz Kammauf, Willi Hubert, Irene Kraus - Produktion: Essem-Film GmbH, Berlin - Premiere: 16.11.1928 - (Hamburg) - Archiv: Filmarchiv Austria, Wien - Farbe: schwarzweiß - Länge: 76 Minuten, Betacam SP - Zwischentitel: deutsch
"Der Film ist für uns aus verschiedenen Gründen interessant: Bisher galt der Film als verschollen. Bei dem Thema des Films handelt es sich um ein Stück österreichischer (Zeit)Geschichte - um ein Familiendrama über die Habsburger. Zusätzliches
historisches Interesse verdient die italienische Version, die zu einer Propagandafassung gegen die Habsburgermonarchie und als Rechtfertigung für den Kriegseintritt Italiens 1915 umgearbeitet wurde. Darüber hinaus enthält der Film eine Reihe interessanter Dokumentaraufnahmen, so z.B. Aufnahmen vom Begräbnis Kaiser Franz Joseph I. oder auch vom Einmarsch italienischer Truppen im Herbst 1918 in Görz. Schließlich handelt es sich hierbei um den einzigen Film, in dem Leni Riefenstahl nicht unter der Regie von Arnold Fanck tätig war, beziehungsweise selber Regie führte.
Die Vorlagen zu dieser rekonstruierten Fassung des SCHICKSALS DERER VON HABSBURG bildeten eine Nitratkopie der italienischen Fassung IL CROLLO DEGLI ABSBURGO (DER STURZ DER HABSBURGER, 1.706 Meter) aus der
Cineteca Paolo Venier, ein Nitratfragment (382 Meter) aus
dem Bundesarchiv-Filmarchiv und ein Nitratfragment (335
Meter) des Filmarchivs Austria. Während sich die beiden
Fragmente vom Bundesarchiv-Filmarchiv und vom Filmarchiv
Austria in gutem Erhaltungszustand befanden, war die italienische
Kopie infolge von Zersetzung bereits stark beschädigt.
Durch das Einfügen der beiden Fragmente in die italienische
Kopie konnten dort bereits einige der am stärksten in
Mitleidenschaft gezogenen Stellen bereinigt werden. Um die
optischen Beeinträchtigungen weiter zu reduzieren, wurden
an einer Reihe von Stellen durch massive Zersetzung zerstörte Kader entfernt, soweit dies nicht den Film zu sehr verstümmelte.
An denjenigen Stellen, an denen dies zum Verlust
des Filmverständnisses geführt hätte, wurden statt dessen
Einzelkader als Standbilder eingefügt. Die deutsche
Rekonstruktionsversion enthält sowohl alle erhalten gebliebenen
deutschen Zwischentitel (im Original), als auch Übersetzungen
der italienischen Zwischentitel. Die italienischen
Zwischentitel wurden bei starker Abweichung vom deutschen
Original zusätzlich eingefügt, hauptsächlich aber an
denjenigen Stellen, an denen ausschließlich die italienische
Fassung erhalten blieb. Diese Vorgehensweise bedingt, daß
manche Zwischentitel zweimal - meist leicht voneinander
differierend, einige Male auch an unterschiedlichen Stellen
im Film - auftauchen. Hier bietet sich der Vorteil eines direkten
Vergleiches zwischen italienischer und deutscher Filmfassung.
Um dem Film einen höheren »Wahrheitsgehalt« zu verleihen,
wurden von Raffé bewußt zeitgenössische Dokumentarfilme
in die Spielhandlung eingefügt. Für ihre Umarbeitung
übernehmen die Italiener die Vorgehensweise von Raffé. Sie
fügen am Schluß des Streifens ebenfalls Dokumentarfilme
im Umfang von ca. 5 Minuten ein, die aber mit der ursprünglichen
Idee nichts gemeinsam haben. Somit bleiben sie dem
herstellerischen Grundkonzept treu, verfälschen auf diese
Weise aber komplett den Inhalt des Werkes für eigene Propagandazwecke.
"
(Michael Achenbach / Paolo Caneppele: Das Schicksal derer
von Habsburg / Il crollo degli Absburgo, Filmarchiv Austria,
Wien 2000)
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