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LES NOUVEAUX MESSIEURS
DIE NEUEN HERREN
Frankreich 1928 - Regie: Jacques Feyder - Drehbuch: Charles Spaak nach dem Stück von Robert de Flers und Francis de Croisset - Kamera: Georges Périnal, Maurice Desfassiaux - Darsteller: Gaby Morlay, Albert Préjean, Henry Roussel, Henri Valbel - Produktion: Les Films Albatros - Archiv: Cinémathèque Française, Paris - Premiere: 5.4.1929 - Farbe: schwarzweiß - Zwischentitel: französisch - 2.800 m, 126 min. bei 20 B/s
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Feyders letzter französischer Stummfilm ironisierte die parlamentarischen Konventionen und den bourgeoisen Lebensstil der Gewerkschaftsfunktionäre und den Prozeß ihrer Verbürgerlichung. Ein junger Gewerkschaftssekretär wird Minister und fühlt sich schließlich, von der Karriere schwindlig geworden, als ein von der Vorsehung bestimmter Staatsmann. Sein politischer Antagonist, ein alter Marquis, schlägt ihn sowohl im Parlament als auch im Bett. Auf der Bühne war diese Komödie nur ein konventionelles Amüsement. Der Film setzte schärfere Akzente. Feyder attackierte die ganze Verlogenheit des bürgerlichen Parlamentarismus und beunruhige damit die betroffenen Personen und Instanzen.
(Jerzy Toeplitz: Geschichte des Films I, 1895-1933; Rogner & Bernhard, München, 1987)


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Das Drehbuch des Films war explizit politisch, was im französischen Kino der 20er Jahre ziemlich einzigartig war. Als Reaktion darauf verwehrte die französische Regierung der Firma Albatros die Verleihlizenz. Ihre Einwände richteten sich weniger gegen die Erzählung als gegen die respektlose Beschreibung der Abgeordnetenkammer und ihrer Mitglieder. Nach monatelangem Gefeilsche und mehreren kurzen Schnitten startete der Film sehr erfolgreich im April 1929.

Man könnte DIE NEUEN HERREN als sentimentale Romanze oder als komisches Melodram beschreiben. Seine größte Wirkung liegt in seinem beständigen Wechsel zwischen romantischer Komödie und ironischer, wenn nicht tragischer Satire. Das eigentliche Ziel der Satire ist nicht die Blindheit und Korruptheit der Arbeiterklasse oder der Gewerkschaftsbewegung, sondern das gesellschaftliche und politische System, das unveränderlich stets dasselbe bleibt.

(Richard Abel: French cinema. The first wave, 1915-1929; Princeton University Press, Guilford 1984)

Zur englischsprachigen Originalfassung des Textes


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Feyder hat den Film mit einem Esprit gebaut, der in heimischen Produkten kaum je anzutreffen ist. Feyder hat früher schon das tote Inventar zum Leben erweckt; hier steigert sich womöglich noch seine Fähigkeit, eine abgestorbene Zeichensprache zu dechiffrieren. Die vergangenen Ornamente am Rednerpult im Sitzungssaal greifen aufreizend ins Stück ein und widerlegen, nebenbei bemerkt, seinen Inhalt. So wird auch eine Theaterdekoration zum Reden gezwungen, die den Hintergrund der Transportarbeiterversammlung bildet, so erscheint das Mobiliar in der Wohnung des Sozialistenführers als eine Verkörperung des Mittelstandes. Zarte Ironie, die eines Anatole France würdig wäre, waltet über vielen Szenen. Sie durchdringt den Auftritt im Ballettfoyer der Oper, zaubert die exotische Phantasmagorie des alten Parlamentariers hervor und entfaltet sich beim herrlichen Festzug in der Provinzstadt. Gaby Morlay als Tänzerin und Geliebte: klug, süß verlogen und von einem entzückenden Bewußtsein des Spiels. Schon um der Miniaturkaskaden ihrer Gesten willen ist dieser Film sehenswert.
(Siegfried Kracauer, in: Frankfurter Zeitung, 21.1.1930)


Sein Thema behandelt der Film nicht mit Gehässigkeit, sondern mit einer ungezwungenen und respektlosen Leichtigkeit. So sehen wir unter anderem einen Minister, der eine neue Arbeitersiedlung im Eilschritt einweiht, weil er nicht zu spät zu einem Stelldichein kommen will, oder wir sehen, wie ein gewählter Vertreter des souveränen Volkes, der regelmäßige Beziehungen zum Ballettkorps der Pariser Oper unterhält, in einer Sitzung der Abgeordnetenkammer vor sich hin träumt und sich seine eifrigen Kollegen im Ballettröckchen vorstellt. Ein anmutiger Film, der sich durch einen geistreichen und taktvollen Einsatz des Tricks auszeichnet, der die ironischen und satirischen Spitzen betont.

(Charles Ford : Jacques Feyder ; Éditions Seghers, Paris 1973)

Zur französischsprachigen Originalfassung des Textes


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